Rätselhafte Zeichnung

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Lykurg
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Do 27. Feb 2014, 10:03 - Beitrag #1

Rätselhafte Zeichnung

Hat jemand von euch eine Idee, worum es sich hierbei handeln könnte?

Traitor
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Do 27. Feb 2014, 10:08 - Beitrag #2

Ich vermute, der Kontext wird uns bewusst vorenthalten, um unbeeinflusstes Raten zu ermöglichen?

Das wolkig-knüllige Gedöns (stempelabgewandt, ATER-seitig) sieht naheliegenderweise nach Wolken aus. Die dunkel gezeichneten Zwillingsetwasse sehen irgendwie anstößig aus, eventuell aber auch einfach nach Fingern, Zigarren oder sowas.

Die Stempel-oben-Variante hat etwas von einer Wolkenhand, die ein Victory-Zeichen zeigt. Eher blödsinnig.

Am schlüssigsten erscheint mir, dass die Stempel-unten-Version einen Kopf von schräg hinten zeigt, das Wolkengeknüll als Haare / Perücke und die dunkel gezeichneten Zwillingsetwasse als (eingewickelte?) Zöpfe, das Gesicht nicht ausgeführt. Man müsste sich dann das Alter ansehen und recherchieren, ob es einen entsprechenden Frisurstil gab; kommt mir aber nicht allzu absurd vor.

Ipsissimus
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Do 27. Feb 2014, 10:11 - Beitrag #3

Ohne Kontext sehr schwierig. Könnte alles mögliche sein, ein anatomisch unkorrekter Euter, eine Kopfbedeckung, ein Doppelpenis mit Riesenhoden, ein Kopf von hinten^^ kannst du was zum Kontext sagen?

Lykurg
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Do 27. Feb 2014, 10:32 - Beitrag #4

Wie Traitor zu Recht vermutete, wollte ich zunächst unbeeinflußtes Raten ermöglichen, nun gern etwas Kontext:
Die Skizze findet sich auf der Rückseite eines von einem Theaterinspizienten benutzten Blatts, das für das Lustspiel "Frohe Laune"*, erstaufgeführt in Hamburg 1798, verzeichnet, welche Kulissen gebraucht werden und in welcher Szene welcher Schauspieler wo aufgehen muß (rechte/linke Seitenthür/Mittelthüre); nicht zu vergessen die Requisiten: Kaffeeservice, Rasenbank, 1 Stuhl mit losem Polster, Strickzeug, ein Glas Wasser. Um all dies wird es sich aber wohl kaum handeln, ich vermute eher eine Kritzelei während einer langweiligen Probe oder Aufführung.

Eure Assoziationen finde ich sehr schön, die anstößigeren hatte ich auch, außerdem überlegte ich, ob es sich (Stempel nach oben) um einen weiblichen und einen männlichen Kopf/Oberkörper mit Haube bzw. Stehkragen handeln könnte. Die Version Kopf von hinten mit Locken(-perücke?) und Doppelzopf, auf die ich noch nicht gekommen war, finde ich aber schon deutlich überzeugender.

_______
*möglicherweise Parodie oder Fortsetzung der ein Jahr zuvor gespielten "Ueblen Laune"

Traitor
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Do 27. Feb 2014, 11:06 - Beitrag #5

Zwei Personen auf einmal mag ich nicht zu erkennen, kannst du mir da ein paar Anhaltspunkte geben?

Hat die Losheit des Stuhlpolsters tiefere Handlungsrelevanz? Gelegenheit zum Unterschieben des für die Frohe Laune verantwortlichen Furzkissens?

Die Entstehungszeit würde zu meinem sehr groben, amateurhaften und wahrscheinlich zu 90% falschen Frisurdatierungsgefühl passen.

Lykurg
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Do 27. Feb 2014, 12:17 - Beitrag #6

Die beiden Personen wären auf dem untersten Bild (Stempel oben) zu sehen, jeweils bis zur Brust abgebildet, darunter in einer Wolke verschwindend (die beiden Portraits sind je ein Finger deiner Victory-Hand). Die Dame (links) trüge eine Haube, etwa wie die unten abgebildete, darüber noch einen Schleier; der Herr hätte ebenfalls ein schleierartiges Tuch über den Kopf gezogen, was die Deutung ziemlich unwahrscheinlich macht, und einen hohen Hemdkragen, darunter ein verknotetes Krawattentuch.

Bild

@Perückenzeit: Eben.

@Kissen: Jetzt wollte ich es natürlich auch wissen. -
Die entsprechende Szene ist tatsächlich eher ernst. Ludwig hat seinem Vetter August 100 Louisd'or gestohlen und versteckt sie in aller Eile unter dem Polster, als der sehr aufgeregt zu Besuch kommt und ihn um Rat fragt. Im Verlauf des Gesprächs setzt August sich ständig auf verschiedene Stühle und springt wieder auf, bis einer umkippt und das Geld herausfällt. Daß Ludwig versucht hat, den Verdacht auf einen treuen alten Bediensteten zu lenken, macht die Sache nicht besser. Es kommt zum Zerwürfnis, August verzeiht ihm aber im vierten Akt, als Ludwig einem Dritten das Leben rettet und sich dabei eine Kugel einfängt. Von da an herrscht vermutlich frohe Laune, oder der Titel ist eine reine PR-Maßnahme.

blobbfish
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Do 27. Feb 2014, 13:20 - Beitrag #7

Auf Bild 2 erkennt man, so finde ich, sehr eine Strichmännchenfigur in der linken Mulde. Möglicherweise sollte diese dann überzeichnet werden, aber die Langeweile kam wieder und das destruktive Element wurde nicht ganz umgesetzt, aber verwertet, wodurch die zweite Mulde entstand. Weitere Destruktion in Form von Rauch.

Kannst du anhand des Originals vielleicht partiell die Zeichenreihenfolge feststellen?

Lykurg
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Do 27. Feb 2014, 15:20 - Beitrag #8

Interessant, so hatte ich es auch noch nicht gesehen. Ebenfalls auf Bild 2 befindet sich dann in der rechten Mulde ein Ritter, Astronaut oder eine Frau in Burka, der/die seinen/ihren rechten Arm auf den Muldenrand aufstützt.

Kann ich leider nicht erkennen, nein, hatte ja noch nicht einmal Sicherheit über die Drehrichtung.

blobbfish
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Do 27. Feb 2014, 16:23 - Beitrag #9

Die ganze Mulde könnte auch eine Rakete sein, die auf dem Kopf steht, auf Bild 4 aber sieht es dann gar nicht mehr so danach aus.

Anhand der Graphitfabre lässt sich eigentlich ganz gut erkennen, zumindest wenn die Farbe der beiden Linien auch sehr ungleich ist. Das Werk ist wieder im Archiv und die Nachwelt darf dann das Rätsel lösen? Bzgl. der Drehrichtung vermute ich, dass oben links oder oben rechts gemalt wurde, die Gesamtseite würde uns die Beurteilung vielleicht sogar ermöglichen.

Lykurg
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Do 27. Feb 2014, 18:30 - Beitrag #10

Ich erkenne da nichts, aber du kannst gern nächste Woche selbst gucken, wenn du möchtest; der Band mit dem Blatt bleibt eh noch ne Zeit lang bei mir, bevor er ins Magazin zurückwandert. Die Drehrichtung ist auch deshalb schwierig zu beurteilen, weil das Blatt zweimal gefaltet ist (sogar ein ganz leichter dritter Knick). Wäre praktisch in jeder Richtung handhabbar, am wahrscheinlichsten noch in der Lockenkopf-Richtung.


Zitat von Adalbert von Chamisso:Tragische Geschichte.

's war Einer, dem's zu Herzen ging,
Daß ihm der Zopf so hinten hing,
Er wollt' es anders haben.

So denkt er denn: wie fang ich's an?
Ich dreh' mich um, so ist's gethan –
Der Zopf, der hängt ihm hinten.

Da hat er flink sich umgedreht,
Und wie es stund, es annoch steht –
Der Zopf, der hängt ihm hinten.

Da dreht er schnell sich anders 'rum,
's wird aber noch nicht besser drum –
Der Zopf, der hängt ihm hinten.

Er dreht sich links, er dreht sich rechts,
Es thut nichts Gut's, es thut nichts Schlecht's –
Der Zopf, der hängt ihm hinten.

Und seht, er dreht sich immer noch,
Und denkt: es hilft am Ende doch –
Der Zopf, der hängt ihm hinten.

Er dreht sich wie ein Kreisel fort,
Es hilft zu nichts, in einem Wort –
Der Zopf, der hängt ihm hinten.

Maglor
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Do 27. Feb 2014, 18:42 - Beitrag #11

Entweder handelt es sich um Quetzalcoatl im Profil oder um die Rückansicht eines sehr männlichen Kaninchens.


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