Person mit Migrationshintergrund

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Traitor
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Sa 1. Feb 2014, 14:02 - Beitrag #21

Zitat von Maglor:Vor ein paar Jahrzehnten wurde auch konfessionelle Unterschiede immer wieder thematisiert. Da war auch schon mal von katholischer oder evangelischer Diaspora die Rede.
Mein Vater erzählte mal, wie in seiner Kindheit in der Kirche "für die Brüder und Schwestern in der Diaspora" gesammelt wurde. Das Wort war ihm grob erklärt worden und er stellte sich immer von Kannibalen gekochte Märtyrer irgendwo in den Tropen vor. Als er dann irgendwann erfuhr, dass es nur um Bayern ging, war er sehr enttäuscht. (Obwohl protestantenfressende Märtyrer im Bayern der 50er ja vielleicht gar nicht so abwegig wären... ;))

Das mit der "One-drop rule" (Keine "" im URL-Tag, übrigens, nur beim Quote, auch wenn das nicht sehr logisch ist...) gilt so meines Erachtens in der heutig-hiesigen sozialen Wahrnehmung nicht mehr. Es gibt sogar das gegenteilige Konzept der "mixed-race attractiveness" (unter Antirassisten auch schon wieder sehr ungern gelesen), das gerade bei weitgehend "mehrheitsethnischen" Personen mit nur geringen Einmischungen die Diskriminierung leicht überwiegen kann. Gilt auch genauso für "nichtblutiges", rein kulturelles Erbe. Ein 50%-Ausländer dagegen wird weitgehend genauso diskriminiert wie ein 100%iger, bei 25% hängt es sehr von Aussehen- und Namenstendenz ab. Wie gesagt, genau das soll der "Hintergrund" ja in seiner Intention abdecken.

@Lykurg: "I didn't know that was still a requirement!" ;)

Selbst Israel sieht sich ja einer "Überfremdungsgefahr" durch osteuropäische Konservative ausgesetzt... Der Konservatismus der russischen Einwanderer ist dabei weniger eine Spezialität der jüdischen Vertreter, es gibt da auch sehr suspekte christliche Gruppen. Jedoch haben beispielsweise die medial derzeit so präsenten "Zwölf Stämme" meines Wissens keine Ostverbindungen, diese Art Suspektheit gibt es also auch als Eigenprodukt. Womit wir wieder beim etikettenreduzierten "sind halt alle in erster Linie Menschen" wären.

Lykurg
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Sa 1. Feb 2014, 16:00 - Beitrag #22

Maglor, da hast du zweifellos recht. :crazy:

Traitor, in meiner Heimatgemeinde wurde - bis nach der Wende - immer wieder "für unsere Partnergemeinden in Kröpelin und Luwumbu" gesammelt bzw. Fürbitte gehalten. Mein Bruder meinte mal, er hätte sich die beiden Orte als Kind immer als irgendwie benachbart vorgestellt.

@Australien: Sehr schön! :)

Und stimmt, der positive Effekt eines 'exotischen' Einschlags ist natürlich auch vorhanden, immer irgendwie zwiespältig, ein häufig wiederkehrendes Thema bei Thomas Mann, der ja selbst eine brasilianische Mutter hatte.

Ipsissimus
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Sa 1. Feb 2014, 20:48 - Beitrag #23

soweit mir bekannt, hatte seine Mutter eine brasilianische Mutter, aber einen deutschen Vater; Thomas Mann war also dreiviertel/einviertel

Lykurg
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Sa 1. Feb 2014, 21:57 - Beitrag #24

Schon richtig, seine Mutter hatte einen deutschen Vater und eine brasilianische Mutter, ist auch selbst in Brasilien geboren. Da dort Ius solis gilt, hatte sie zumindest das Anrecht auf die Staatsangehörigkeit; ob sie sie wirklich besaß, weiß ich nicht; gebe dir aber recht mit der Vierteilung.

Maglor
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Mo 3. Mär 2014, 21:39 - Beitrag #25

Thomas Manns brasillianische Vorfahren sind aber gar nicht so schlimm, weil das keine Neger oder Indios waren. Ein weißer Latino ist eigentlich ebenso viel wert wie ein echter Gringo. Trotzdem wurde Thomas Mann ausgebürgert.

Maglor
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Di 14. Okt 2014, 20:53 - Beitrag #26

Im Spiegel findet sich gerade ein aktuelles Beispiel dafür, dass die One-Drop-Rule offenbar auch in Österreich gilt.

Zitat von Tori Reichel:Die Uni hat seit Monaten mehrmals für ihre Homepage ein Foto verwendet, auf dem ich mit zwei blonden Kommilitoninnen zu sehen bin - im Zusammenhang mit dem Hinweis darauf, wie international die Uni ist und ausländische Studenten willkommen sind. Ich bin aber nicht international, ich bin Österreicher, ich bin hier geboren und aufgewachsen. Das hört man auch sehr deutlich an meinem Dialekt. Die Uni hat aufgrund meines Aussehens einen falschen Schluss gezogen - und darauf wollte ich freundlich hinweisen.

Maglor
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So 3. Dez 2017, 21:24 - Beitrag #27

Zitat von Maglor:unter fremder Verwaltung stehenden deutschen Ostgebiete, Danzig, Estland, Lettland, Litauen, die ehemalige Sowjetunion, Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien, Albanien oder China

In China gab es keine deutschen Siedler, genauso wenig wie in Albanien oder Bulgarien. China wurde erst 1957 in die Liste der Aussiedlerstaaten ergänzt. Der Hintergrund ist der Kalte Krieg. Der kleinste gemeinsame Nenner dieser Länder war, dass sie zum Kommunistischen Block gehörten. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges ging es in erster Linie darum darum Oppositionelle aus kommunistischen Staaten in Deutschland aufzunehmen. Das ist auch der Grund warum Österreich, die Schweiz oder die USA nicht auf der Liste stehen. Die völkische Umdeutung des Aussiedlerstatus kam erst als die antikommunistische Aussiedlerpolitik nicht mehr angewendet werden konnte.


Zitat von Maglor:Es gibt eine Hierarchie der Ausländer. Der Spitze stehen West- und Nordeuropäer sowie Nordamerikaner, Australier usw. Sie gelten als dem Deutschen ebenwürtig. Ihnen folgen die Südeuropäer. Danach kommen die Osteuropäer (einschließlich der Spätaussiedler), mit Ausnahme der Rumänen, Bulgaren, Albaner und insbesondere der Zigeuner, die wohl in der üblichen Hackordnung noch weit unterhalb der Türken einzuordnen sind. Weitere Abstufungen erspare ich euch. Sied dürften aus dem rassistischen Alltag bekannt sein.

Die Unterscheidung geht auf Alfred Dregger (CDU) zurück. In den 1980ern teilte er die Fremden in vier Gruppen ein:

1. Ausländer, die eigentlich Deutsche sind (Österreich, Schweiz, Südtirol)
2. andere Europäer
3. Türken
4. Afrikaner und Asiaten

Laut Dregger wären Türken, Afrikaner und Asiaten absolut unerwünscht, während nicht-deutsche Europäer aufgrund der Europäischen Einigung noch zu ertragen seien.

Lykurg
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So 3. Dez 2017, 22:05 - Beitrag #28

Keine Siedler zwar, aber sehr wohl wirtschaftliche Kontakte. Natürlich waren es entsprechend weniger Personen, vor allem Kaufleute, die höchstens für ein paar Jahre dort lebten, aber ich habe Verwandte, die in Qingdao bzw. Shanghai geboren sind. Könnte mir schon vorstellen, daß es da gelegentlich auch in bescheidenem Ausmaß zu Vermischung gekommen sein kann, oder aber zu Nachkommen von Europäern, die als Gestrandete der Kulturrevolution nach weitergehender Öffnung einen Weg zurück suchen.

Maglor
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Do 7. Dez 2017, 16:31 - Beitrag #29

Es gehört zu den Konstanten deutscher (Nicht)migrationspolitik, dass zwischen den Deutschen und den anderen klar unterschieden wird.

Ursprünglich handelt es sich beim Status des Aussiedlers, um eine Art Asylstatus. Dieser gilt natürlich nur für Deutsche. Ein Deutscher, der aus einem Kommunistischen Staat fliegt, darf in der Bundesrepublik bleiben. Diese Regelung galt natürlich nicht für Polen, Russen oder Chinesen, sondern eben nur für Deutsche. Russische Oppositionelle müssen draußen bleiben. Ebenso ausgeschlossen war eigentlich auch die Einwanderung von deutschen Personen, die selbst im kommunistischen Regime ihre Rolle spielten. Eigentlich ... Eigentlich wollte man eine gesetzliche Grundlage dafür schaffen, dass Volksdeutsche heim ins Reich dürfen und die Volksverräter in China und Sibirien bleiben müssen, aber für die Verwendung dieser Vokabel gab es selbst in 1950ern keine politische Verwendung mehr.
Sehr wichtig ist natürlich auch die Prämisse, dass Aussiedler keine Ausländer oder Migranten sind, sondern die Deutsche.

Flüchtlinge und Asylanten sind Deutsche - das war das Credo der Bonner Republik. So wollte man etwa lange Zeit den Flüchtlingsstatus als Privileg der Deutschen halten.
Sehr deutlich wird diese Unterscheidung an der Schaffung des Sonderstatus "heimatloser Ausländer", speziell um nicht die Hilfswillige und andere Verschleppte eben nicht mit den deutschblütige Flüchtlingen gleichzusetzen.

Ipsissimus
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Fr 8. Dez 2017, 13:20 - Beitrag #30

Das Problem trat sogar innerhalb Deutschlands auf. Man darf sich das Ausmaß des faktischen Willkommenseins von DDR-Flüchtlingen in den 50er und 60er Jahren nicht allzu idyllisch vorstellen, jenseits der propagandistischen Verklärung. Es ging dabei wohl weniger um das Wohl von Flüchtlingen oder Aussiedlern als vielmehr darum, der Sowjetunion eines auszuwischen.

Lykurg
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Sa 9. Dez 2017, 10:19 - Beitrag #31

Das hatte seine Vorgeschichte natürlich auch schon mit den Flüchtlingen aus den ehemals deutschen Ostgebieten. Deren Aufnahme zumindest in der Bundesrepublik war reichlich gemischt - da gibt es unzählige Geschichten darüber, was zB Flüchtlingskinder so alles von ihren Mitschülern etc. zu ertragen hatten, im wesentlichen ausgehend vom Dialekt, aber auch von Konfession und natürlich sozialer Ungleichheit, darüber hinaus aber einfach auch geschlossene Gesellschaften insbesondere, aber nicht nur auf dem Land. Das hat sich erst sehr langsam entwickelt, mit 89/90 wohl auch als kathartischem Moment jedenfalls was das innerdeutsche Verhältnis anging, aber natürlich auch alles andere als bruchlos umgesetzt - das merke ich in der Gegenrichtung noch immer.

Ostflüchtlinge in der DDR waren gehalten, eine Erklärung zu unterzeichnen, mit der sie die Oder-Neiße-Linie anerkannten; das war zT Voraussetzung für Einstellung bzw. beruflichen Aufstieg. Ich kenne den Wortlaut der Erklärung nicht, und aus heutiger Sicht wirkt das vielleicht wie eine historische Selbstverständlichkeit, aber für viele derjenigen, die den Verlust ihres Besitzes und ihrer Herkunft erlebten, dürfte dieses staatlich auferlegte Abschließen mit einem Teil ihrer persönlichen Geschichte ein schwerer Schritt, für manche eine unüberwindbare Hürde gewesen sein, ein Grund, in den Westen zu gehen.

Maglor
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Sa 9. Dez 2017, 10:59 - Beitrag #32

Die Unschärfe wurde in der Nachkriegszeit bleibt natürlich durch das Fehlen eines umfassenden Konzepts zur Zuwanderung erhalten. In der Konstruktion "Migrationshintergrund" wird diese Unschräfte besonders scharf - es ist ein fauler Kompromiss zwischen Einbürgerung und Ab- und Ausgrenzung.

Zitat von Lykurg:Das hatte seine Vorgeschichte natürlich auch schon mit den Flüchtlingen aus den ehemals deutschen Ostgebieten. Deren Aufnahme zumindest in der Bundesrepublik war reichlich gemischt - da gibt es unzählige Geschichten darüber, was zB Flüchtlingskinder so alles von ihren Mitschülern etc. zu ertragen hatten, im wesentlichen ausgehend vom Dialekt, aber auch von Konfession und natürlich sozialer Ungleichheit, darüber hinaus aber einfach auch geschlossene Gesellschaften insbesondere, aber nicht nur auf dem Land.

Das Pendel kann jederzeit in eine andere Richtung ausschlagen. Die Fremden sind keine Fremden. Der Staat hat es sich zur Aufgabe, dem Volk klarzumachen, wer dazu gehört und wer nicht.
Die Lösung ist das NS-Konzept der Volksgemeinschaft. Willkommenskultur für "Volksdeutsche" und die Angst von afroasiatischen "Untermenschen" sind Kehrseite der gleichen Medaille.

Es handelt sich um Wahlplate aus den 1950ern.

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Traitor
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Sa 9. Dez 2017, 13:27 - Beitrag #33

Das erste Plakat wird ja sehr oft zitiert, und ja, die Aufnahme der "Vertriebenen" war mindestens so komplex wie von Lykurg andiskutiert.

Das zweite Plakat kannte ich noch nicht und ist interessant.
Zitat von enWP:Kirchenkampf is a German term pertaining to the situation of the Christian churches in Germany during the Nazi period (1933–1945)
Der wird wohl nicht mehr gemeint sein.
Der Zwiebelturm ist für mich immer in erster Linie ein östlich-orthodoxes Symbol, aber jenen Konfessionen werden wohl kaum Flüchtlinge angehört haben, und wie so oft erinnere ich mich auch gerade wieder überrascht, wie verbreitet diese für mich exotische Bauform doch auch in Bayern ist. Befürchtete die CSU also den Konflikt mit protestantischen Ostlingen, die die gutkatholische bayrische Staatsreligion bedrohen?

Ipsissimus
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Sa 9. Dez 2017, 18:57 - Beitrag #34

Das dritte Poster ist fast schon modern in seinem Duktus.

Traitor
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Sa 9. Dez 2017, 21:27 - Beitrag #35

In Botschaft, Stil und sogar Farbgebung ist es ja sehr nahe am bekannteren "Alle Wege des Marxismus führen nach Moskau" der Schwesterpartei. Die Wortwahl ist aber tatsächlich deutlich direkter. ;)
Interessant auch, dass Portugal und Zypern bereits dem Klassenfeind zum Opfer gefallen zu sein scheinen. Eine Insel zu vergessen, ist nicht allzu überraschend, aber die iberische Verstümmelung wirkt fast schon absichtlich...

Maglor
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So 10. Dez 2017, 11:27 - Beitrag #36

In allen drei Plakaten geht es meines Erachtens um die Frage der Identität.

In Konkurrenz zur deutlich separatistischen Bayernpartei, stellte die CSU die Zugehörigkeit Bayern zum deutschen Staat nicht infrage. In der CSU sind deutscher und bayrischer Nationalismus auf merkwürdige Weise vereint. Noch seltsamer ist die Idee in Bayern genauso zu verfahren und von Altbayern, Schwaben, Franken und Sudeten als gleichberechtigten Stämmen Bayerns zu reden.

Die CSU wagte (ebenso wie die CDU) den kühnen Versuch verschiedenste Gruppierungen zu vereinen. War die alte Zentrumspartei noch Vertreterin des politischen Katholizismus, sollte die neue Unions-Partei beide Konfessionen bedienen - also kirchliche Einheit statt Spaltung der Gesellschaft in Konfessionen. (Der Zwiebelturm ist eindeutig bayrisch. Der Angreifer trägt eine Jacke mit Harlekin-Muster - entweder ein Narr oder gleich der leibhaftige Teufel.)

Bei der Rezeption des Kirchenkampfes wird deutlich, dass der Feind immer als Heide gedacht wird - ganz gleich ob Nazi, Kommunist oder unerwünschter Ausländer. Die Trope vom Kirchenkampf im Konflikt mit den Grünen um die sogenannte Leitkulur verwendet. In diesem Kampf ist natürlich immer die CSU der Retter der Kirchen. (Seit die CSU mit den Kirchen allerdings wegen der Flüchtlingspolitik im Streit liegt, wird die Metapher vom Kirchenkampf auch gegen die CSU verwendet.)

Das interessante an dem Plakat zum Thema "Nein heißt Nein" ist nicht der Antikommunismus. Die Physiognomie des Angreifer ist mongolid. Es ist der Angreif des Asiaten auf Europa. Die rote Gesinnung ist gleich zur Hautfarbe geworden.

Es geht um die Frage, wer zu Bayern und Deutschland gehört. Gibt es echten und die falschen Deutschen? Sind die Fremden nur "Spione der Türken", wie schon Luther vermutete?

Lykurg
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So 10. Dez 2017, 15:03 - Beitrag #37

Zitat von Maglor:(Der Zwiebelturm ist eindeutig bayrisch. Der Angreifer trägt eine Jacke mit Harlekin-Muster - entweder ein Narr oder gleich der leibhaftige Teufel.)
Ja zu ersterem, aber nein zu letzterem - das Muster sind die bayrischen Rauten, da geht es wohl gegen Bayernpartei oder sonst irgendwelche 'irregeleiteten Patrioten'.

Ich versuchte auch aus den Schattenformen tieferen Sinn zu lesen - etwa das Verschwinden großer Teile von Skandinavien, oder aber das verbliebene Mecklenburg - möglicherweise kommt es aber doch mehr auf die Geste bzw. den Prozeß an, und natürlich den Akteur. Wirklich bemerkenswert, mich würde fast mal der geistige und künstlerische Werdegang des Graphikers interessieren.

Maglor
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So 10. Dez 2017, 20:44 - Beitrag #38

Dass der Kirchenschänder ein bayrisches Rautenmuster trägt, scheint zu stimmen und verwirrt mich noch mehr.
Hier habe ich jedenfalls eine Erklärung zum Wahlplakat gefunden. Es handelt sich tatäschlich um ein Mitglied der Bayernpartei, einen Sozialdemokraten und einen Kommunisten.
Zentrale Aussage: Die CSU ist die einzige christliche Partei. Alle politischen Gegner sind Heiden oder Nazis. In der konservativen Geschichtsrezeption ist das ohne fast das gleiche.

Alle Feindbilder kann man mit Rückgriff auf den Streithistoriker Ernst Nolte, der den Holocaust zur "asiatischen Tat" umdeutete, natürlich leicht vereinen. Nazis sind Kommunisten sind Sozialdemokraten sind Heiden sind Asiaten usw. :para:

Feuerkopf
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Mo 11. Dez 2017, 20:09 - Beitrag #39

Als Bewohnerin des ältesten deutschen Schmelztiegels ist mir eine Diskussion über "Deutschsein" ziemlich fremd. Leute aus NRW kennen es gar nicht anders, als dass ihre Mitmenschen seit Römerzeiten aus aller Herren Länder kommen, sowohl im großstädtischen Rheinland als auch im Ruhrgebiet.
Was uns verbindet, ist die Sprache. Und selbst da habe ich meine Zweifel, wenn ich meine Verwandten aus dem Grenzgebiet zur Schweiz so höre. ;)

Maglor
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Di 12. Dez 2017, 19:42 - Beitrag #40

Die Leute aus NRW sind natürlich ganz harmlos - spätestens seit der Selbstauflösung von "Pro NRW". ;)
Im tiefsten Mittelalter entstand ausgerechnet in Köln die Legende der Heiligen Ursula und ihrer 11.000 Jungfrauen, die von den heidnischen Hunnen geschändet wurde. Der Mythos "Köln" wirkt bis heute nach.

Das Rheinland ist kein Schmelztiegel, sondern die Wurzel - das unheimelige Land der Nibelungen. Nichts ist Deutscher als der Altar der Ubier.

Die größten Probleme mit dem Begriff des "Deutschseins" gibt es in den Randgebieten. Die Lausitz ist seit Jahrhunderten Schauplatz nationaler Kämpfe. Sorben, Wenden, Polen und Deutsche schlagen hier aufeinander. Sachsen war der Schauplatz dieser Kämpfe gegen "Sachsengängerei" und Polonisierung.

Dass die wichtigsten Akteure der Deutschtümelei vor allem wendische oder gleich französische Namen haben, versteht sich von selbst. Dass jene Deutschen mit türkischen Namen wie Pirincci oder Kelek noch deutscher sind, überrascht nicht. Man müsste besser gleich Naidoo heißen, um völlig durchzudrehen. :crazy:

In Bayern ist das Problem ähnlich gelagert. Die Zerrissenheit lag hier nur zwischen Preußen und Österreich. Eigentlich ist es auch nur ein kleines Missgeschick, dass sich das Königreich Bayern dem Deutschen Reich anschloss. Es könnte ein genauso kleiner Wimpernschlag sein wie die Münchner Räterepublik. Das Volk der Bayern muss sich um so mehr als deutsch-völkisch beweisen, um seine Vergangenheit zu vertuschen.

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