Germanizismen

Wenn Ihr ein paar gute Witze kennt oder etwas Lustiges in den Weiten außerhalb der Matrix gefunden habt, könnt Ihr es hier posten - keine Zählung der Beiträge.
Lykurg
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Sa 18. Feb 2017, 08:52 - Beitrag #101

Zu meinem Erstaunen wird "Lügenpresse"/"lugenpresse" innerhalb der alt-right-Bewegung verwendet. Da hat die PegidAfD ganze Arbeit beim Export NS-deutscher Kultur geleistet. :rolleyes:
http://time.com/4544562/donald-trump-su ... genpresse/

Maglor
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Sa 18. Feb 2017, 13:53 - Beitrag #102

Wirklich bemerkenswert ist die fast durchgängige Verwendung des Umlautes. Lediglich im Zitat der Professorin der TU Darmstadt (Janich ist Sprecherin der Jury "Unwort des Jahres") wird kein ü verwendet - sehr rätselhaft.

Lykurg
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So 19. Feb 2017, 17:23 - Beitrag #103

Ja, das fiel mir auch auf - erinnerte mich an die Verwendung von Metal umlauts, um böser auszusehen - auf die Aussprache hats im Zweifel keinen Einfluß, die sprechen das u ja eh in etwa als ü aus, paßt also.
Interessant wäre so gesehen, ob 'böse' auf den Begriff bzw. seine Herkunft bezogen wahrgenommen wird, und damit die betonte Bösartigkeit/Härte auf den Gegner oder die eigene Gruppe bezogen ist. Selbstwahrnehmung als Antagonist?

Traitor
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Sa 5. Aug 2017, 21:46 - Beitrag #104

Zitat von Lykurg:die sprechen das u ja eh in etwa als ü aus, paßt also.
Schonmal einen Schotten "booth" sagen gehört? :D

Zitat von enWP:The surrounding basalt was softer than the pitchstone, and hence the valley became inverted, with the pitchstone withstanding the erosion far better than the surrounding rock. An Sgùrr is thus an inselberg.

An inselberg or monadnock ( /məˈnædnɒk/) is an isolated rock hill, knob, ridge, or small mountain that rises abruptly from a gently sloping or virtually level surrounding plain.

Traitor
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So 17. Sep 2017, 14:15 - Beitrag #105

SF-Autor (und anscheinend bekennender Redneck und Proto-Trumpist) Andrew J. Offutt 1972 in "Again, Dangerous Visions" zu seiner eigenen Wohnsituation im tiefsten Kentucky:
I fully expect to have to defend the damned place from you lebensrauming scum from NYC and places like that, anyday soon.

Traitor
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Sa 9. Dez 2017, 15:34 - Beitrag #106


Lykurg
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So 10. Dez 2017, 01:59 - Beitrag #107

Wunderliche Wege deutscher Lehnworte im Japanischen. Daß arubeito im Japanischen einen Teilzeitjob meint, kann man ja noch als grotesk-realistisches Abbild der herrschenden Verhältnisse verstehen, aber die Übersetzung von Aufhebung mit "to stop once and go up one level next" ist schon sehr weit vom eigentlichen Sinn entfernt. Wobei der auch einem Muttersprachler nicht mehr klar zu sein scheint, wenn er lange genug im amerikanischen Exil und in den nicht minder fernen Orten der deutschen Philosophie verbracht hat: daß Kaufmann Aufhebung mit "pick up" übersetzt, ist meines Erachtens nur mit weitgehender Entfremdung (durch Auswanderung mit 18) zu erklären. Seltsam.

Ipsissimus
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So 10. Dez 2017, 11:23 - Beitrag #108

ganz fern scheint es nicht zu liegen; "Aufhebung" ist im Deutschen zwar mit einer übertragenen Bedeutung im Sinne von "beenden eines Zustands" versehen, aber die Anklänge an "aufheben" = "hochheben" sind doch deutlich zu erkennen. Vielleicht steht aus fremdsprachiger Sicht die etymologische Herkunft stärker für die Bedeutung ein als die übertragene Bedeutung.

Traitor
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So 10. Dez 2017, 11:26 - Beitrag #109

Zitat von Victor Mair, LL:the word Aufhebung literally translates into English as "pick up" and that it is quite common in ordinary German speech: "it is what you do when something has fallen to the floor. Something may be picked up in order that it will no longer be there; on the other hand, I may also pick it up to keep it." When Hegel uses the term in its double meaning, he usually expressly informs the reader that he does so. Kaufmann also claims that "Hegel may be said to visualize how something is picked up in order that it may no longer be there just the way it was, although, it is not cancelled altogether but lifted up to be kept on a different level."


Vielleicht ist der Bezug auf das Substantiv "Aufhebung" nur ein Mairsches Fehlzitat, für das Verb "aufheben" ist die Alltagsübersetzung aber durchaus korrekt - "Klein-Ilsa, du hebst das jetzt sofort wieder auf!" - und der Versuch, Hegel diese physische Bedeutung als gewitzte Doppeldeutigkeit unterzuschieben, ist zwar etwas sehr bemüht, aber liefert doch eine ganz nette Deutung.

Lykurg
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So 10. Dez 2017, 15:24 - Beitrag #110

Für das Verb ja, das ist mir klar, aber für das Substantiv ist diese Bedeutung als "quite common in ordinary speech" eindeutig Unsinn. Solche Verbiegungen hätte ich eigentlich eher einem Heidegger oder Adorno zugetraut, aber an welcher Stelle der mutmaßliche Fehler vorliegt, kann ich mangels Quellenkenntnis nicht sagen. Ipsissimus, eigentlich war Kaufmann ja kein Fremdsprachler... die japanische Neuauslegung hat noch zwei transferbedingt mögliche Entgleisungsstellen mehr.

Ipsissimus
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So 10. Dez 2017, 16:03 - Beitrag #111

es kommt noch eine dritte Nuance ins Spiel, etwas das aufgehoben (gleichermaßen beendet oder hochgehoben) wurde, kann danach aufgehoben (beschützt) sein.

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So 10. Dez 2017, 19:48 - Beitrag #112

Bzw. aufbewahrt, ja - eben diese Dichotomie zwischen Erhaltung und Negation macht es so interessant. Aber beim Substantiv geht es sehr eindeutig um die Teilbedeutung Vertragsende/Negation/Gleichgewicht, nicht um das Aufbewahren oder das Hochheben. Eine vierte Komponente, die noch hineinspielen könnte, ist das Aufheben, das man um eine Sache macht. ;-)

Lykurg
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Mo 25. Dez 2017, 22:41 - Beitrag #113

All the time he kept schtum to maintain his deceit.
(Quelle) - ich hätte eigentlich auf eine jiddische Herkunft getippt, aber hiernach scheint das nicht der Fall zu sein.

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Sa 30. Dez 2017, 13:26 - Beitrag #114

"Stumm" ist nicht identisch mit "leise", sondern bezeichnet eher das Unvermögen oder den Unwillen, etwas zu sagen.

Lykurg
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So 31. Dez 2017, 10:46 - Beitrag #115

Ja, auf jeden Fall - "silent" ist hier nicht im Sinne von "leise", sondern von "bar jeglicher Lautäußerung" gemeint.
"keep shtum" ginge in Richtung von "über etwas Schweigen bewahren", wenn ich das richtig sehe.

Traitor
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So 31. Dez 2017, 10:57 - Beitrag #116

Da muss es wohl mal eine Zeitlang sehr erfolgreichen deutschen Kriminellenexport gegeben haben. Oder vielleicht reinen Wortimport durch heimkehrende britische Besatzungssoldaten, die mit der Schwarzmarktszene zu tun hatten? Import in den späten 40ern, erstmals 58 schriftlich verbrieft, würde passen.

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