Cloud Atlas

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e-noon
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Sa 24. Nov 2012, 13:01 - Beitrag #1

Cloud Atlas

Ohne das Buch gelesen zu haben (eine Beschreibung hat mir gereicht: zu gewalttätig), war ich kürzlich in "Cloud Atlas". Der Film hat mir äußerst gut gefallen, es ist ein Film, den man noch einmal sehen kann und wird. Der Zusammenhang der Geschichten war auch ohne Buchvorlage äußerst klar, die Handlung interessant, aber vor allem packend - und die größte Leistung fand ich, die mir berichteten Stilunterschiede in der Buchvorlage in einen Film zu übersetzen, indem zwar einerseits alle Geschichten zusammenhängen, dabei aber jede einem eigenen Ton, einer eigenen Athmosphäre folgt: Das eine ist eine Komödie, dann ein Abenteuerfilm, technologische Dystopie, 70erJahre-Agententhriller, Künstlerdrama... es ist wirklich alles dabei, und alles sehr gut gemacht. Auch der Film war brutal, wenn auch nicht so sehr wie das Buch; ich bin ein sehr zartbeseiteter Mensch und musste trotzdem nur ungefähr 5 Mal wegsehen (einmal habe ich es nicht geschafft, das war ein Fehler).

Mit dem Konzept der Wiedergeburt kann ich wenig anfangen, aber glücklicherweise wurde in dem Film nicht der Versuch unternommen, dieses zu erklären... die Geschichten greifen äußerst gut ineinander und geben genug Stoff zum Nachdenken über Charaktere über den Film hinaus. Der einzige Kritikpunkt könnte sein, dass die Story im Vordergrund steht und die Botschaft des Films schon sehr eindeutig und platt vermittelt wird; es fehlt eine gewisse Tiefe, wenn man der altbekannten Weisheit, dass Gewalt der Gesamtgesellschaft schadet und jeder Mensch das Recht auf Freiheit hat, einmal aufgrund der ständigen Wiederholung die Tiefe absprechen möchte. Dennoch ausgezeichnete, anspruchsvolle und vor allem emotional sehr fesselnde Unterhaltung.

Traitor
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Sa 24. Nov 2012, 14:19 - Beitrag #2

Vermutlich gehe ich nächste Woche rein. Bei 3 Stunden Laufzeit plus Werbung plus Pause sind 20:45-Vorstellungen aber irgendwie nicht das Wahre, daher noch nicht ganz sicher.

Skeptisch macht mich vor allem die dumme "everything's connected"-Tagline, die erinnert unangenehm an Magnolia, und darauf ausgerichtete Episodenfilme laufen nunmal immer große Gefahr, in konstruierten Unfug abzugleiten. Aber mal sehen.

Dass der Film sonderlich brutal sein soll, höre ich zum ersten Mal, aber vermutlich sind da deine Vergleichsmaßstäbe einfach recht ungewöhnlich.

Lani
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Sa 24. Nov 2012, 15:01 - Beitrag #3

Ich fand weder Buch, noch Film sonderlich brutal.

Erste Hälfte etwas langatmig, später war das nicht mehr so. Gerade in meiner Lieblingsepisode (Frobisher) gab es große Änderungen zum Buch, die mir aber eigentlich recht gut gefallen haben.
Weder im Buch, noch im Film waren die einzelnen Schicksale so sehr verknüpft, wie es die Trailer vermuten ließen. Da könnte man sich sicherlich ab und zu mal fragen, was das Ganze nun eigentlich soll...tut man aber irgendwie nicht.

Absolut peinlich fand ich allerdings, wenn Nicht-Asiaten als Asiaten geschminkt waren, das ja mal total bescheuert aus.

Edit: Achja, ich mochte den Film übrigens gerne. Würd ich mir auch nochmal anschauen.

e-noon
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Sa 24. Nov 2012, 15:36 - Beitrag #4

In dem Buch wurde mir von einer Massenvergewaltigung eines kleinen Jungen berichtet, im Film wurde die Kamera draufgehalten, als - verzeiht den Spoiler - jemandem die Kehle durchgeschlitzt wird (mit einem eher stumpfen Messer). Beides empfinde ich als brutal und würde mich auch aktiv dagegen wehren, wenn jemand dies bei mir versuchen würde. Es mag Menschen geben, die den Anblick als völlig normal und nicht weiter störend empfinden.


@Lani: Gerade die Maske in dem Film fand ich ausgesprochen gut. Kann schon sein, dass man sich bei den Koreanern nicht genügend Mühe gegeben hat, aber ich fand es so schon schwer genug, die ganzen Gesichter auseinanderzuhalten, und war sehr dankbar, das dank der merkwürdigen Augenbrauen noch erkennbar war, dass der Schauspieler doch eigentlich anders aussah und schon einmal vorgekommen war. Ich fand auch übrigens, dass er gerade in der koreanischen Maske, auch wenn sie ihren Zweck verfehlt haben mag, mit Abstand am besten aussah.

Edit: Die "outrages", die offenbar im Internet zu finden sind darüber, dass man kaukasische Gesichter koreanisch geschminkt hat, finde ich völlig lächerlich. Man hat auch Halle Berry weiß geschminkt und als Jüdin auftreten lassen - furchtbar! Nach Jahrhunderten des Rassismus, den man überwinden möchte, wird eine schwarze Frau weiß geschminkt! Darüber könnte man sich leicht noch mehr aufregen, als über schlecht geklebte Augenbrauen bei Pseudo-asiaten. Man übersieht dabei meiner Meinung nach, dass eben nur eine Geschichte in Korea spielt, für die man auch eine asiatische Schauspielerin hatte, die dann eben in ihren anderen Rollen kaukasisch aussah oder die Tracht eines barbarischen Inselstammes annahm... was ich völlig legitim und der Botschaft des Filmes sehr zuträglich finde.

Anaeyon
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Sa 24. Nov 2012, 17:22 - Beitrag #5

Ich las, dass in diesem Film absichtlich Rassen-Stereotypen verdreht wurden. Wer auch immer sich da aufregt, dürfte die Intention der Maske nicht ganz verstanden haben ^^

Lani
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Sa 24. Nov 2012, 17:52 - Beitrag #6

Ich möchte auch nicht, dass jemand sowas bei mir macht. Und mir ist auch klar, dass sowas brutal ist. ;) Allerdings kenne ich einfach brutalere Bücher (und Filme), daher empfand ich das bei Cloud Atlas nicht weiter "schlimm" (im Sinne von: Ich konnte hinsehen und auch "hinlesen").

Zu den Koreanern: Es kam mir einfach so vor, als würden die Macher glauben, dass kleine, schlitzartige Augen einen Asiaten ausmachen. Dann hat man aber auch noch die ganze Zeit Donna Bae da, die beweist, dass das nicht der Fall ist. Und wenn überall mit der Maske rumgeprotzt wird, dann erwarte ich da halt auch ein bisschen mehr.

Zum Thema auseinanderhalten: Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte unbedingt beim Abspann sitzen bleiben! :)

e-noon
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Sa 24. Nov 2012, 18:20 - Beitrag #7

Dafür, dass Rassenstereotype verdreht werden sollten, hatte die Korea-geschichte aber ein bisschen zu viel Martial Arts ;)

Witzig finde ich, dass der Film ein "German science fiction and drama film" ist; was macht den Film deutsch? Dass außer Lana (früher Laurence, auch interessant) und Andy Wachowski auch noch Tykwer mit Regie geführt hat?


Btw horrible German accent in any interview with Tykwer.

Amy
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Sa 24. Nov 2012, 18:34 - Beitrag #8

Ich habe den Film gestern auch gesehen - zum Glück gab es eine Nachmittagsvorstellung. Die Abendvorstellung hätte bei mir wegen Länge, Werbung und Pause auch zu Problemen geführt. Obwohl ich mir lange Filme eigentlich ungern entgehen lasse ;)

Sehr brutal fand ich "Cloud Atlas" nicht. Das Buch an sich gar nicht - die Massenvergewaltigung des Jungen wurde nicht beschrieben. Sein Schicksal hat mich zwar auch berührt, vor allem mit seinem damit verbundenen Selbstmord, aber das wäre kein Grund für mich, das Buch aufgrund von Brutalität zur Seite zu legen. Blutige Beschreibungen (und dergleichen) findet man im Roman kaum, zumindest kann ich mich an nichts erinnern. Und ich bin in sowas auch zartbesaitet. Im Film musste ich ebenfalls nur einmal wegsehen und das war in der besagten Szene, in der Zachry (Tom Hanks) seinem Feind die Kehle sehr unschön aufschlitzt. Unschön war natürlich der Autorenmord im Cavendish-Part. Aber das war ein Sekunden-Part und zum Glück aus der Ferne gefilmt, von daher ist das ein kurzer "Ierks!"-Moment, aber nichts, das in irgendeiner Art und Weise verstört hätte.

Natürlich kommt es vor allem im Zachry-Part und in jenem von Sonmi zu Kämpfen, aber als übermäßig brutal würde ich es keinesfalls bezeichnen. Da sind dann schon Tagesnachrichten manches Mal brutaler, als "Cloud Atlas".

Die Maske war leider wirklich nicht immer schön, aber nun ja, was soll man machen. Sicherlich hätte man da auf asiatische Schauspieler zurückgreifen können, aber man wollte ja dieser Technik der gleichen Darsteller in verschiedenen Rollen und Epochen treu bleiben, von daher ... ich kann es verkraften. Auch wenn die asiatisch-geschminkten Schauspieler für mich nicht asiatisch, sondern irgendwie deformiert erschienen. Es war einfach unnatürlich, vor allem im Vergleich zu Sonmi. Mit der Zukunfts-Dystopie konnte man es zumindest noch auf die Gesichtsbearbeitung schieben, die im Buch auch thematisiert wird - ich stellte mir einfach vor, dass da etwas schief gegangen ist ;)

An sich finde ich es jedoch kleinlich, dass man sich über das dermaßen aufregt. Vor allem im asiatischen Raum ist das der Fall. Auch die Sache mit einer weiß-geschminkten Halle Berry. Oder Doona Bae letztendlich als Engländerin. Im Internet gibt es da viel Wirbel und wütende Leute. Herrjeh. Kann man sich über sowas wirklich ernsthaft aufregen? Ich habe auch schon Serien und Filme gesehen, in denen Amerikaner am Ende Deutsche spielen und mit miesem Deutsch auftreten. Sicher denke ich mir "Da hätte man aber auch einen Deutschen besetzen können", aber was soll's. Das ist ein 5-Sekunden-Augenrollen, aber nichts, wofür ich auch nur ernsthaft Nerven verschwenden möchte. Und bei "Cloud Atlas" wollte man nun einmal die gleichen Schauspieler verwenden, dann ist sowas einfach der Fall. Man hätte auch den ganzen Sonmi-Teil mit Asiaten machen können, aber dann wäre da ein ganzes "Cloud Atlas"-Fragment, in dem nur Doona Bae auftritt und keiner der anderen Darsteller. Die Regisseure wollten diesen Stil benutzen - okay. Dann muss man eben mit einigen optisch nicht natürlich-wirkenden Charakteren leben. Mir war es zu schade, mich darüber aufzuregen und habe lieber den Film genossen.
Die schlimmste Maske war für mich Denholme Cavendish (Hugh Grant) - das war grausig und sah amateurhaft aus ;)

Der hat mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. Es hat nicht wirklich "Klick" gemacht, aber trotz alledem habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und die 3 Stunden vergingen wie im Flug. Möglicherweise werde ich den Film die Tage auch noch einmal ansehen. Die erste Hälfte war wirklich etwas langatmig, aber als dann alle Geschichten ins Rollen kamen, wurde es sehr spannend. Mitfiebern konnte ich, als Buchkennerin, nicht wirklich, wie meine Kinobegleiter. Dafür konnte ich mir die Zeit nehmen, auf Einzelheiten zu achten, die mir im Buch nicht aufgefallen sind. (Gab es die Anspielung mit Soylent Green auch im Buch? Mir wurde das, von Cavendish geschrieene Zitat, erst im Nachhinein wirklich bewusst und wie treffend es auf eine andere "Cloud Atlas"-Geschichte zutrifft, die ich wegen Spoiler nicht nenne.)

Großartig fand ich Doona Bae, die ich das erste Mal in einem Film gesehen habe. Was für eine Schauspielerin. Sie hatte mich von der ersten Sekunde an gefesselt, was nicht nur an ihrer Rolle lag, die mit zu meinen liebsten im Buch gehörte. Die Geschichten um Sonmi und Frobisher gefielen mir von allen Geschichten am besten. Es waren auch schon meine Buchlieblinge. Die filmische Umsetzung gefiel mir sehr gut, auch wenn bei beiden einiges gestrichen, bzw. geändert wurde. (Bei Sonmi habe ich immer die Buchstelle im Kopf, in der ein Reinblüter einen überflüssigen, kleinen Duplikat (?) entsorgt, indem er ihn einfach über die Brücke wirft. Das hat mich irgendwie sehr ergriffen und auch zu einem inneren Wandel von Sonmi geführt, weswegen ich die Stelle gerne auf der Leinwand gesehen hätte. Über Sonmis Zeit an der Universität hätte ich auch gerne etwas gesehen, aber das hätte wohl wirklich den Rahmen gesprengt. Die Frobisher-Umsetzung war an sich perfekt und hat mir sehr sehr gut gefallen. Sie war an sich noch tragischer, als die Vorlage. Immerhin hatten wir in letzterer am Ende nur einen Abschiedsbrief und im Film ist da doch weitaus mehr. Da tropften bei mir wortwörtlich die Tränen vom Gesicht. Eva habe ich in dieser Geschichte trotzdem vermisst. Meine Kinobegleitung, die das Buch auch kennt, fand es sehr seltsam, dass man Frobisher mehr oder weniger "Gefühle" für Ayrs angedichtet hat.)

Wir haben am Ende auch noch den Abspann abgewartet und ich muss sagen: Ha, bin ich gut! Ich hatte nur einmal Halle Berry in einer Rolle nicht erkannt, konnten ansonsten alle zuordnen. Meine vier Begleiter eher nicht, deswegen kam es am Ende zu ungläubigen Gelächter, als die Schauspieler in all ihren Rollen gezeigt wurden. Manches Mal hat man es wirklich gut gemacht.
Irritiert hat mich trotz alledem Katy Karrenbauer. Ich frage mich, wie ausgerechnet sie als Schottin in "Cloud Atlas" gelandet ist. Kann mir das irgendwie nur mit Verbindungen zu Tom Tkywer erklären :D

Den Soundtrack habe ich mir gestern nach der Filmvorstellung auch gegönnt, um das Wolkenatlas-Sextett endlich komplett zu hören. Auf dem OST gibt es zwei Versionen davon, die beide auf ihre Art und Weise sehr schön sind. Interessanterweise läuft aber vor allem der "Opening Title" rauf und runter, mit dem im Film die ganzen Schicksale zu Beginn vorgestellt wurden. Wahrscheinlich habe ich dabei auch einfach nur zu sehr Frobishers Stimme im Kopf, die ganz nüchtern den Selbstmord beschreibt. Hm, jetzt hätte ich wirklich noch einmal Lust auf ein zweites Mal "Cloud Atlas".

Traitor
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Sa 24. Nov 2012, 21:59 - Beitrag #9

Die Asiaten-Masken erregen vor allem deshalb mehr Unmut als andere Umschminkungen, weil sie stark an schlechte alte Hollywoodzeiten erinnern, als das üblich war. Gerade während/nach dem 2. Weltkrieg durften wohl viele asiatischstämmige Schauspieler nicht mehr auftreten und wurden durch mies umgeschminkte Weiße ersetzt. Das scheint als ziemliches Trauma hängengeblieben zu sein. Vermutlich hätten die Macher da etwas mehr Fingerspitzengefühl zeigen können - oder zumindest auf gute Schminke achten. ;) Da es Teil eines Gesamtkonzepts ist, finde ich es aber völlig vertretbar, wenn auch irgendwie albern.

Zitat von e-noon:Witzig finde ich, dass der Film ein "German science fiction and drama film" ist
Es wurde wohl viel in Babelsberg gedreht und auch ein ordentlicher Teil der Finanzierung kam aus Deutschland.

Traitor
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Do 13. Dez 2012, 19:45 - Beitrag #10

Insgesamt hat er mir besser gefallen, als ich befürchtet hatte, das Unterhaltungsniveau bleibt durchgehend hoch und das Geschwafel aus dem Off reicht zum Glück nicht aus, um den Film von guter Unterhaltung zu gescheitertem Pseudoanspruchsquark kippen zu lassen - auch, wenn er oft knapp daran vorbei schrammt.

Am stärksten und durchaus einen Vollfilm verdienend fand ich die 1973-Nuklear-Verschwörungs-Investigations-Episode, sehr gekonnter Retro-Thriller-Verschnitt. 2321 (Hawaii) war in dieser Länge sehr nett anzusehen, hätte aber auch nicht das Potential für mehr gehabt, zu naiv. 2144 (Seoul) hatte die stärksten Bilder, war aber doch arg trashig und die repetitiven Actionszenen hätte man vom ganzen Film am ehesten wegschneiden sollen, um die Laufzeit zu senken. 1936 (Komponisten) war natürlich vom Motiv her der Kern des ganzen Komplexes und hatte eine durchaus interessante Figurenkonstellation, aber letztlich nicht so viel zu erzählen. 2012 passte mit seinem plumpen Humor gar nicht ins Gesamtbild, war aber zwischendurch zur Auflockerung nicht schlecht. 1849 war solide, aber irgendwie vollkommen überflüssig.

Also eine Mischung von durchaus stark schwankender Qualität, die sich aber durchaus ganz gut zusammenfügte. Die inhaltlichen Parallelen waren sehr mit dem Holzhammer präsentiert, und das Off-Geschwafel war wie gesagt oft ziemlich peinlich pathetisch. Obwohl die schlimmsten Sprüche immerhin von Cavendish aus der Comedy-Episode stammten, also hoffentlich zumindest in der Formulierung auch nicht ganz ernstgenommen werden wollten.

Neben den wirklich lächerlichen Pseudo-Asiaten-Masken waren auch einige andere "Umwandlungen" ziemlich missglückt, besonders schlimm waren Hugo Weaving als Altenpflegerin (niedrigstes britische-Travestie-Komödien-Niveau, was aufgrund der eh als billige Klamotte angelegten Episode vermutlich aber fast Absicht war), Halle Berry als Frau des alten Komponisten (sehr künstlich), Doona Bae als mexikanische Fabrikchefin (überschminkte, kreischende Schaufensterpuppe) und Hugh Grant als Cavendish-Bruder (Schultheater-Zombie?).

Eher nervig als originell war auch der Dumpfbacken-Dialekt der Postapokalyptiker, zumindest in der deutschen Version.

Zitat von Amy:Über Sonmis Zeit an der Universität hätte ich auch gerne etwas gesehen, aber das hätte wohl wirklich den Rahmen gesprengt.
Wann wäre das denn gewesen? Eine "Rebellen-Universität", an der sie nach dem Schiff und vor der Rundfunkansprache reindoktriniert wird? Wie sie da relativ plötzlich diesen Text runterrasselt, kommt im Film schon etwas sprunghaft.

Rambazamba
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Do 27. Dez 2012, 17:19 - Beitrag #11

Oh gott ich fand das buch noch so lala...aber der film...KOMPLETTER MIST!

Traitor
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Do 27. Dez 2012, 18:39 - Beitrag #12

Es wäre für alle interessanter, wenn du uns sagen würdest, was genau dir nicht gefallen hat. ;)

Maglor
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Fr 12. Mai 2017, 19:59 - Beitrag #13

Der Film war irgendwie zu lang für meine Konsumgewohnheiten. Die Botschaften waren platt, aber emotional mitreißend. Besondere postmoderne Schmankerl waren noch die zahlreichen Anspielungen und Zitate aus bekannten(?) Science-Fiction-Werken. [Eigentlich eher auf unpopulär gewordene Klassiker wie Die Zeitmaschine, Das Glasperlenspiel, Planet der Affen, Mad Max... und natürlich Solyent Green.]

Zitat von Lani:Absolut peinlich fand ich allerdings, wenn Nicht-Asiaten als Asiaten geschminkt waren, das ja mal total bescheuert aus.

Die Masken haben mich ziemlich verwirrt. Ich habe sie gar nicht als ostasiatisch erkannt. Durch die buchstäblichen Schlitzaugen waren große Teile der Augen verdeckt, sodass ich das Weiße in den Augen nicht mehr erkennen konnte. In Science-Fiction-Filmen tauchen solche schwarze Augen öfter mal als außerirdische Merkmale auf. Da die Personen in New Seoul häufig auch noch Implante habe, dachte ich anfangs bei den Männern mit den seltsamen Gesichtern würde es sich ebenfalls um künstliche Menschen handeln, was im Setting durchaus naheliegend wäre. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich begriffen habe, dass dort kaukasoide Schauspieler auf asiatisch geschminkt wurden.
Ausgerechnet die Kunstmenschen hatten aber ganz natürliche Gesichter - volle Irre. :wzg:
Sexuell fügsame Frauen, häßliche Männer mit Kung-Fu-Tricks, Unterdrückung von Subsprachen ... Ist ist irgendwas daran koreanisch? Das Korea der Zukunft vereint vielfältige Thailand-, China- und Japenklischees - eigentlich ziemlich rassistisch.
Völlig unpassend fand ich die Martial-Arts-Kampfszenen, insbesondere weil sie in einem so starken Kontrast zu den anderen Gewaltszenen im Film standen, die extrem blutig und vor allem unfair waren.

Nicht weniger bedenklich fand ich, dass man die polynesischen Sklaven durch Afroamerikaner darstellen ließ. Dadurch konnten alle Rassisten leicht erkennen, wer Sklave war und wer nicht. Vielleicht haben auch Afro-Amerikaner glaubte man auch, dass die Afroamerikaner eine besondere Kompetenz im ausgepeitscht werden haben.

Gleichzeitig irritierte mich, dass 1973 Rasse offenbar überhaupt keine Rolle mehr spielte. Die Afroamerikaner haben durchweg wichtige Posten und die Weißen agieren vorurteilsfrei mit ihnen. Tatsächlich war die Rassentrennung gerade erst aufgehoben und die Black-Power-Bewegung hatte ihren Höhepunkt.

Rassensterotype wurde da nicht verdreht, im Gegenteil wurden sie neuaufgebaut. Abwechslung bzw. Verdrehung bot da höchstens der Endzeitplot, in dem die weißen Wilden eine Art Cargo-Kult um schwarze Cyborgs praktizieren. Das Happy End hat mir aber dann aufgrund seiner Klischeehaftigkeit nicht gefallen.

Die Umwandlungen der Schauspieler fand ich ziemlich unsinnig, eigentlich lief es in jeder Zeit auf eine bestimmte Paarbildung hinaus, wobei eine Person diesen besonderen Leberfleck hatte. Die Besetzung war doch ziemlich unsinnig und höchstens als Spielplatz für Maskenbildner zu rechtfertigen.

Zitat von Traitor:1849 war solide, aber irgendwie vollkommen überflüssig.

Ich fand diese Episode wichtig, weil in ihr Befreiung des Menschen scheinbar gelingt - gewissermaßen als Fortschritt. Außerdem taucht hier Kannibalismus nur als Mythos auf - im Kontext der beiden Zukunftsepisoden ist das sehr komisch.


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