Trump

Das aktuelle politische Geschehen in Deutschland und der ganzen Welt sowie wichtige Ereignisse der Weltgeschichte.
Traitor
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Fr 1. Dez 2017, 21:30 - Beitrag #21

die 3D-Schach- bzw. 27D-Tic-Tac-Toe-Theoretiker

Nur deine blumige Metapher für "er ist in Wahrheit intelligent und denkt sehr geschickt um viele Ecken", oder Anspielung auf bestimmte Ereignisse/Redewendungen, die an mir vorbeigegangen sind?

Ipsissimus
Dämmerung
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Sa 2. Dez 2017, 03:51 - Beitrag #22

Presse und Medien versuchen in Erfüllung ihres Anliegens, die Welt zu retten und ihren Umsatz zu maximieren, seit vielen Jahrzehnten mehr oder weniger subtil den Eindruck zu vermitteln, die Aufgabe von Politik und Wirtschaftsfuntionären sei es, moralische Maximen in gelebte gesellschaftliche Wirklichkeit umzusetzen. Das ist zwar von vornherein hoffnungslos dumm - von der Art, die Trump unterstellt wird -, erlaubt ihnen aber durch die Vertrautheit, die aus ständiger Wiederholung derselben Torheiten resultiert, bei sich bietender Gelegenheit die vom Schicksal Geplagten zu mimen. Trump ist so eine Gelegenheit. Ein Politiker mit einem ausgeprägten Instinkt für Machtverhältnisse auf der Mikroskala, also auf individueller Ebene. Wie wir seit seiner Inthronisation immer wieder erleben, reicht das, um an der Macht zu bleiben, und mehr will der Mann doch gar nicht. An der Macht bleiben, Privilegien sichern, selbst gut dastehen, Fun haben und andere dafür bezahlen lassen, ehrwürdige Anliegen seit alter her. Gut, wie er Fun definiert, ist ein wenig eigen, aber meine Güte, der eine erfindet aus den gleichen Gründen Massenvernichtungswaffen, der andere zieht in neue Kriege, obwohl er mal aus allen Kriegen aussteigen wollte, und Trump baut sich eben eine Mauer. Und alle geballte Intelligenz seiner Kritiker reicht offenbar nicht aus, um diesen doch so intelligenzbefreiten Affen an der Verfolgung dieses Anliegens zu hindern. Hm ...

Lykurg
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So 3. Dez 2017, 20:07 - Beitrag #23

Keine konkreten Zitate, Traitor, sondern wie von dir vermutet die Behauptung vieler Trumpster, er denke geschickt um viele Ecken, und deren Parodie durch seine Gegner (simpleres Spiel, absurde vermeintliche Strategie).

Ipsissimus, das Problem ist dabei fast weniger noch Trumps persönliche Bereicherung, Verachtung aller demokratischen Institutionen und Werte, Zerlegung des ohnehin prekären sozialen Zusammenhalts (man könnte auch von Zerstörung der Illusion einer integrativen Gesellschaft sprechen), als daß die Republikaner das fröhlich mittragen und die Gelegenheit nutzen, bösartige Gesetzesvorhaben durchzubringen, und diese im Nachhinein im Zweifel ihm unterzuschieben. Siehe etwa das aktuelle Steuergesetz von knapp 500 Seiten Umfang, das sieben Stunden vor der Abstimmung darüber erstmals vorgelegt wurde, jede Menge handschriftliche Streichungen und schwer lesbare Zusätze enthält, generell Schwächere stärker belastet (z.B. die Besteuerung von Studienstipendien um 50% erhöht, mit zu erwartenden Folgen) um dafür die obersten 0,5% stärker zu entlasten, die Körperschaftsteuer um sage und schreibe 15 Prozentpunkte senkt, mit ein paar Zusätzen zum Gesetz aber auch die Gesundheitsfürsorge reduziert, ungeborenen Kindern ab der Zeugung Anspruch auf Steuererleichterungen gewährt (was die Abtreibungsgegner als großen Erfolg feiern, weil es Präzedenzcharakter haben könnte) etc. - entstanden unter der Mitwirkung von ca. 6000 Lobbyisten, aber ohne vorherige Diskussion mit den Demokraten...

Ipsissimus
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Mo 4. Dez 2017, 00:11 - Beitrag #24

Zitat von Lykurg:... als daß die Republikaner das fröhlich mittragen und die Gelegenheit nutzen, bösartige Gesetzesvorhaben durchzubringen, und diese im Nachhinein im Zweifel ihm unterzuschieben.


Wenn das das Problem ist, dann ist die US-amerikanische Demokratie das Problem. Trump wurde gewählt, damit er genau solche Sachen machen darf^^

Das ist der Punkt, den die Moralelite nicht einsehen kann, das ist einfach eine Blindheit oder eine Unfähigkeit dieser Elite. Präsidenten eines präsidialen Systems werden gewählt, damit sie die Richtlinienkompetenz ausüben. Die Grenzen dessen regeln Verfassungen und Gesetze, aber gewiss nicht moralische Vorstellungen, soweit sie sich nicht in diesen Verfassungen und Gesetzen finden. Man sieht ja auch immer wieder, dass es den Leuten bei der nächsten Wahl egal ist^^ welcher amerikanische Präsident musste denn letztmalig nach vier Jahren gehen? Die USA könnte im Grunde auch eine einmalige 8jährige Amtsdauer für ihre Präsidenten beschließen

Lykurg
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Mo 4. Dez 2017, 20:43 - Beitrag #25

welcher amerikanische Präsident musste denn letztmalig nach vier Jahren gehen?
Bush I. (er mußte die Zeche für Reagans bis heute vergöttlichte Wirtschaftspolitik zahlen) und vor ihm Carter (der es versäumt hatte, rechtzeitig einen Krieg anzuzetteln). So gesehen stehen die Zeichen für Trump gut - er erntet Obamas Aufschwung, und das mit dem Krieg bekommt er spielend hin.

Aber nein, es geht nicht um "damit er solche Sachen machen darf" - vom jetzigen Gesetzesvorhaben ist im Zweifel kein Wort von ihm (auch wenn er sicher mit der Zielrichtung übereinstimmt) - es geht um das Finden eines Sündenbocks, wenn das Ding ihnen um die Ohren gehauen wird - denn selbst bei ihren Anhängern ist es selten unpopulär. Man stelle sich nur vor, was passieren könnte, wenn Fox darüber berichten würde.

Und hinsichtlich der Erwartungen an eine Moralelite, scheints, bin ich inzwischen zynischer geworden als du? Ich sehe da jedenfalls weder Blindheit noch Unfähigkeit, ganz im Gegenteil. Ah, nun fällt mir auf, du nimmst ganz unironisch an, daß es so etwas wie eine Moralelite gibt. Schwierig...

Ipsissimus
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Di 5. Dez 2017, 00:04 - Beitrag #26

nein^^ es gibt eine Moralelite, das sind in meinem Wortgebrauch allerdings nicht diejenigen, die den Mund halten und tatsächlich moralisch agieren, sondern diejenigen, die leichter Hand Moral in den Mund nehmen und von anderen Gemeinwohl fordern, während sie kalt lächelnd ihren Eigennutz maximieren, z.B. viele Journalisten oder Wirtschaftsführer, aber bei weitem nicht nur die. mein diesbezügliche Sprachgebrauch ist also strikt zynisch^^

Meine Wahrnehmung US-amerikanischer Politik und Politiker dürfte deutlich von deiner unterschieden sein, jedenfalls sehe ich mich außerstande, das Gute zu erkennen, das die amerikanischen Präsidenten meiner Lebenszeit ihrem Land und der Welt beschert haben. Wenn ich dem einen oder anderen in dieser Wertung etwas mehr Unrecht zufüge als den anderen, kann ich angesichts der beobachteten Maximen amerikanischer Politik nur mit den Schultern zucken.

Lykurg
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Mi 6. Dez 2017, 00:13 - Beitrag #27

Ah, so hatte ich den Begriff Moralelite auch zunächst verstanden und gebraucht, das paßt jedenfalls auch viel besser.

Und bei aller sicherlich gegebenen Differenz in der Wahrnehmung - "das Gute" der Welt gegenüber sehe ich insgesamt auch eher selten (so etwa Impulse für die Forschung, siehe JFKs Mondprogramm); dem eigenen Land hat der eine oder andere aber schon deutliche Vorteile bringen können oder es zumindest versucht (insbesondere Clinton; Obama scheiterte weitgehend an Totalblockade und Radikalisierung). Da die Unterschiede zwischen verschiedenen politischen Modellen zu sehen, finde ich aber ziemlich wichtig, Gleichsetzung schafft nur Verdruß.

Feuerkopf
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Fr 5. Jan 2018, 12:46 - Beitrag #28

Das ganze Spektakel ist verrückter als "Dallas", "Denver" und "House of Cards" zusammen. :cool:

Jetzt kommt auch noch ein Möchtegern-Enthüllungsbuch über Trumps Weißes Haus heraus, das er nicht etwa cool aussitzt - schließlich alles Lug und Trug, believe me - sondern der Twittler in Chief schießt prophylaktisch scharf gegen den Scharfmacher Bannon und setzt Anwälte an, ob das Buch nicht vielleicht doch verhindert werden kann.

Und davor hat er einen Ich-habe-den-größeren-Roten-Knopf-Wettbewerb mit Kim Jong Un ausgefochten.

Wenn du denkst, es kann gar nicht absurder werden, lässt der amerikanische Präsident sich mit Sicherheit etwas neues einfallen. Bevorzugt dann, wenn im Hintergrund die echten Sauereien eingestielt werden.

e-noon
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Di 16. Jan 2018, 12:06 - Beitrag #29

In recent weeks the Trump administration has been withdrawing Temporary Protected Status (TPS) from a number of nationalities currently living in the country.

Reports later emerged in US media that Mr Trump had asked during the meeting: "Why are we having all these people from shithole countries come here?"

Mr Trump was said to have told them that instead of granting temporary residency to citizens of countries hit by natural disasters, war or epidemics, the US should be taking in migrants from countries like Norway.

http://www.bbc.com/news/world-us-canada-42685356

Lykurg
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Di 16. Jan 2018, 20:06 - Beitrag #30

Da hat er es wirklich geschafft, auf einem ziemlich engen Raum ziemlich viel Rassismus unterzubringen...
Ganz abgesehen von den "shithole countries", als die er neben Haiti auch Afrika bezeichnet haben soll, und mal ganz abgesehen davon, daß er das ausgerechnet am Vorabend eines Jahrestages des Erdbebens von Haiti sagte: die mutmaßliche Ineinssetzung von shithole countries mit ihren Bewohnern führt direkt zum Why, denn sie haben keinen Nutzen. Dagegen natürlich die Norweger.

Naja, und wer sich mit so raffiniert komponierten Aussagen verausgabt, muß dann natürlich am gestrigen Martin-Luther-King-Tag golfen gehen. Wer weiß, vielleicht hatte er ja einen schwarzen Caddy dabei?

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