Vogelgrippe Ö Gefahr für die Menschheit oder Panikmache?

Von der Genetik bis zur Quantenphysik, von der Atomkraft bis zur Künstlichen Intelligenz. Das weite Feld der modernen Naturwissenschaften und ihrer faszinierenden Entdeckungen und Anwendungen.
Scuba
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Di 10. Jan 2006, 22:25 - Beitrag #1

Vogelgrippe – Gefahr für die Menschheit oder Panikmache?

(Da sowieso hier wenig los ist, bringt vielleicht ein aktuelles - kontrovers zu diskutierendes Thema wieder etwas Leben in die Seiten:)

Auszug aus: Vogelgirppe-Info

Nie haben sich so viele Menschen gegen Grippe impfen lassen wie gerade jetzt angesichts der angeblichen Bedrohung durch die Vogelgrippe. Ärzte, die sich nur von medizinischen Erwägungen leiten lassen, müssten die Welt nicht mehr verstehen! Gegen Vogelgrippe kann man gar nicht impfen, weil das noch gar kein Krankheitsbild des Menschen ist. Man müsste schon mit Vögeln vögeln, um in Gefahr zu geraten, sich diese Vogelkrankheit einzufangen.

Die medizinischen Fakten sind klar, werden aber konsequent ignoriert. Bisher kann das Virus nur zwischen Vögeln und bei sehr nahem Körperkontakt von Vögeln auf Menschen übertragen werden, nicht aber zwischen Menschen.

Wer also auf intimeren Kontakt mit fremden Vögeln verzichtet, ist gar nicht gefährdet. Natürlich könnte das Virus wie es schon einmal vor vielen Jahrzehnten geschehen ist mutieren und dann auch Menschen direkt gefährden. Erst dann könnte man auch überhaupt einen Impfstoff dagegen entwickeln. Wieso das gerade jetzt geschehen sollte, wo es in den letzten 100 Jahren nur einmal passierte, bleibt wissenschaftlich völlig im Nebel. Wahrscheinlich stecken auch weniger wissenschaftliche als industrielle Interessen dahinter.

Das Virenmittel Tamiflu, bis dahin ein völliger Ladenhüter, ist plötzlich der Renner geworden und lagert.....


Ich sehe das im Prinzip genauso und wundere mich jeden Tag, wie lange sich die Menschheit (speziell wahrscheinlich der deutsche Teil davon) weiter für dumm verkaufen lässt, die Politiker darauf hineinspringen (wie als ob sie darauf gewartet hätten) und scheinbar aus purem Aktionismus jeder Henne verbieten wollen draußen herumzuflattern. Wer regiert eigentlich das Land? Mittlerweile bin ich mir fast sicher: Es ist nicht das Volk, sondern die Lobby! Warum schweigen die meisten Mediziner (Wissenschaftler) zu dieser gezielten (unwissenschaftlichen) Panikmache?

Meinungen?

Ipsissimus
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Di 10. Jan 2006, 22:53 - Beitrag #2

wie die Beispiele in der Türkei gezeigt haben, ist dieser Kontakt nicht vollständig zu unterbinden, zumal dann nicht, wenn Kinder im Spiel sind; und wie lückenlos die Kontrollen wirklich sind, weiß kein Mensch

(die echte) Grippe ist nach wie vor eine der gefährlichsten Krankheiten überhaupt; selbst wenn du ignorierst, daß die Viren schneller mutieren, als du piep sagen kannst, bleibt der Umstand, daß die Erkrankung vor allem bei vorgeschädigten Menschen (z.B: durch Erkältung), bei alten Menschen und sehr jungen Menschen das Immunsystem ruck-zuck durchschlägt; und dafür braucht es nur die "normalen" Grippeviren.

Feuerkopf
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Di 10. Jan 2006, 23:17 - Beitrag #3

Scuba,
es hat Anfang des letzten Jahrhunderts eine Pandemie gegeben, an der Millionen von Menschen wie die Fliegen gestorben sind. Es war eine Grippe und zwar, wie man seit kurzem weiß, ein Vogelgrippevirus, das die Artenschranke übersprungen hatte und von Mensch zu Mensch übertragbar wurde.
Das Virus, an dem inzwischen weltweit schon -zig Menschen gestorben sind, ist hochaggressiv und bereits ansteckend, wenn man direkt mit infiziertem Federvieh zu tun hat. Immerhin sind etwa 50 % der Erkrankten gestorben, ohne dass das Virus zu einem Menschengrippevirus mutiert ist!
Die Vorsicht ist deshalb sinnvoll, weil die Gefahr der Mutation um so größer ist, je mehr Menschen an dem Virus erkranken.

Vogelgrippe gibt es immer wieder mal, aber diesmal ist offenbar die Gefahr besonders groß.

Die Verwendung von Tamiflu als Prophylaxe, wie sie in Asien - dort besonders in Japan - angewendet wird, macht übrigens eines der wirksamsten Mittel schon vor der möglichen Pandemie stumpf.

Lykurg
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Di 10. Jan 2006, 23:22 - Beitrag #4

Daß manche Mediziner, wie dieser Psychosomat, vor Impfungen warnen, ist auch keine ganz neue Entwicklung. Allerdings ist die Impfquote hierzulande, soweit ich weiß, ziemlich gering, was natürlich einerseits der Pharmaindustrie unangenehm ist, andererseits aber auch für die Lebensqualität (und -erwartung) der Menschen eher negative Folgen haben dürfte.

Die Sache mit dem Kotklümpchen ist eine Möglichkeit, klingt natürlich etwas bizarr, aber letztlich sind freilandgehaltene Hühner zwangsläufig stärker durch Zugvögel infektionsbedroht als die im Stall - das sollte doch klar sein. Und die weltweite Verbreitung der Krankheit zeigt ja auch nicht gerade, daß es sich um Panikmache handelte. (Irgendwo gibt es eine Google-Earth-kmz, die die bisherigen Fälle der Vogelgrippe anzeigt. Weiß jemand von euch, wo?)

Wie groß nun der Schritt von Vogel-Mensch-Übertragung zu Mensch-Mensch-Übertragung ist, kann ich nicht beurteilen. Ich glaube auch nicht, daß allzuviele Menschen das in x Tagen oder als Wahrscheinlichkeitswert prognostizieren können. Es aber quasi auszuschließen, halte ich für reichlich gefährlich, es reichen ja einige wenige Leute, um den Viren einen Wirt zu bilden...

Hier wird zu große Besorgnis vorgeworfen? Bei akuter Gefahr einer Epidemie?

Ipsissimus
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Mi 11. Jan 2006, 11:44 - Beitrag #5

ein Problem bei der Grippebekämpfung liegt darin, daß es gegen Viren keine Medikamente gibt, die analog wie Antibiotika gegen Bakterien wirken würden ... jedes Virenmedikament ist spezifisch und seine Wirksamkeit endet oder wird stark eingeschränkt mit der Mutation eines Virus.

Man vermutet nicht unbegründet, daß Grippeviren im Zentrum der Aufmerksamkeit von Biowaffenforschungen stehen - diese Viren eignen sich durch ihre extreme Mutationsrate hervorragend, an Medikamenten und Immunabwehr gleichermaßen unbehelligt vorbei zu kommen und gleichzeitig als Trägermedium ein oder mehrere weitere Viren oder Bakterien im Huckepack-Verfahren einzuschleusen. Die Gerüchte um Anthrax leprosi basieren auf der theoretisch (und wohl auch praktisch) nachgewiesenen Machbarkeit dieses Verfahrens.

Windsbraut
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Mi 11. Jan 2006, 12:24 - Beitrag #6

Hier gibt's ein paar Fakten zur Vogelgrippe, zusammengestellt von der Stiftung Warentest. Demzufolge ist eine Impfung durchaus sinnvoll. Allerdings wohl auch nicht sinnvoller als gegen normale Grippeviren, denn:
Mit diesen Influenza-A-Viren stecken sich allein in Deutschland jedes Jahr über 2 Millionen Menschen an. Zwischen 5 000 und 8 000 Menschen sterben daran.


Zum Vergleich: Am Vogelgrippevirus starben bis zum Verfassen o.g. Artikels (20.10.05) 61 Menschen innerhalb von 2 Jahren, und zwar in mehreren Ländern:
Seit Ende 2003 sind weltweit 117 Erkrankungsfälle registriert - 61 Menschen starben in Vietman, Thailand, Kambodscha und Indonesien am Virus H5N1. Nach Expertenmeinung hatten alle direkten Kontakt zu Geflügel.

Maglor
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Mi 11. Jan 2006, 13:41 - Beitrag #7

Die Grippe war ursprünglich immer eine Vogelgrippe. Genau wie Masern eine Schweinekrankheit und die üblen Pocken sind tierischen Urspungs. Warum die Zivilisation mit solchen Erregern gestraft? Naja, sie ist nunmal zivilisiert.
Unsere Agrarwirtschaft führt seit der Jungsteinzeit zum steten Austausch von Tier- und Menschenkeimen.
Das soll jetzt aber nicht heißen, dass Jäger und Sammler sein, gesünder hießt. AIDS hat man vielleicht halbroh verzehrtem Schimpansenfleisch zu verdanken und das mittlerweile aus den Schlagzeilen verschwundene SARS ist auch die Verwendung von Schleichkatzen in der chinesischen Küche zurückzuführen.
Konkret gesagt, wird übertrieben. Führende Wissenschaftler bestätigen: Die Vogelgrippe ist in erste Linie ein agrarwirtschaftliches Problem.
Die Stallpflicht diesen Herbst war absolut überzogen. Eigentlich weiß man ja das der Geflügelhandel und nicht der Vogelzug der Hauptverbreitungsweg von Vogelgrippe und Geflügelpest sind. Die Einstallung war Reaktion auf die Vogelgrippe in der Türkei und in der Ukraine. Gern vergisst man, dass die Geflügelpest, ebenfalls aus der Grippe-Familie, vor ein paar Jahren in Holland wütete, mit geringem Erfolg. Tatsächlich mussten in Teilen NRWs entsprechende Maßnahmen, wie die Einstallung vorgenommen werden.
Es handelte sich um den Virus H7N7
"Zuletzt 2003 wurden in den Niederlanden auch 89 Infektionen von Menschen mit diesem (HPAI, High Pathogenic Avian Influenza) Subtyp bestätigt. Ein Fall verlief tödlich." (Wikipedia)
Die Geflügelpest war und ist auf den Menschen übertragbar und sie war mitten in Europa und ganz oft in Italien. Wo blieb bitte die Panikmache? Vielleicht hatte man damals mit BSE schon Schlagzeile genug!
Wie auch immer, liebe Esser, verzichtet schön auf Hühnerfleisch, roh kann das nämlich gesundheitsschädlich sein!

MfG Maglor
:crazy:

Jatrix
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Mi 11. Jan 2006, 17:05 - Beitrag #8

Ich weiß nicht, obs schon so gesagt wurde aber eine Impfung gegen die normale Grippe ist schon aus dem Grund sinnvoll, da das Vogelvirus noch nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Denn das Vogelgrippevirus kann sich an die menschliche Zelle anpassen indem es z.B. mit einem normalen Grippevirus in die gleiche Wirtszelle gelangt und durch eine Neukombination des Virus-Erbguts ein neues, zufälligerweise gut an die menschliche Zelle angepasstes Virus entsteht. Ist man gegen die normale Grippe geimpft, wird wenigstens schon mal die Gefahr gesenkt dass diese Mutation im eigenen Körper stattfindet wenn man sich einen Vogelgrippevirus einfangen sollte. Gegen den eigentlichen Vogelgrippevirus hilft die normale Grippeimpfung allerdings nicht wirklich.

Scuba
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Mi 11. Jan 2006, 19:03 - Beitrag #9

Hier wird zu große Besorgnis vorgeworfen? Bei akuter Gefahr einer Epidemie?


ja, offensichtlich! Maglor hat ja ebenfalls fundiertes Wissen diesbezüglich eingebracht, das scheinbar den wenigsten bekannt ist.

Worin soll denn bitte die "akute Gefahr" heute und jetzt bestehen, die vor 5, 10, 100 Jahren nicht bestanden hat (und in 5, 10 , 100, ... Jahren immer bestehen wird)?

Ja, es gab in den letzten 100 Jahren eine Pandemie (stand ja auch im Bericht)! Meine Prophezeiung: Die wird es wieder geben! Möglicherweise werden wir aber besser darauf vorbereitet sein. Aber nicht deshalb, weil wir "akute Panik" schüren, gegen einen Erreger, für den es definitv erst Impfstoff geben wird, wenn der Erreger das erste mal auftritt(!), sondern weil wir die 'Massenproduktion' von Impfstoffen eher beherrschen, als wie vor 100 Jahren.

Wie soll das denn mit der "akuten Gefahr" weitergehen - wenn der Erreger dieses Jahr 'NICHT' auf den Menschen überspringt? Kann sich jemand das Szenario vorstellen, 5, 10, 100 Jahre von der Pharmaindustrie vorgeführt (und abgemolken) zu werden!? Was ist der nächste Schritt? Sollen alle Zugvögel über den Bosporus abgeschossen werden? Müssen wir Helme aufsetzen,wenn wir in's Freie wollen?

Meine Hoffnung: wahrscheinlich kann man dieses Tamiflu nur so lange verkaufen, bis alle Lagerhäuser voll sind und man gezwungen ist eine 'neue Seuche' zu (er)finden.

Ich gehe noch etwas (sarkastisches) drauf: Warum wird denn z.Zt keine Impfkampagne gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmitteln angerührt? Es ist doch nicht "mit Sicherhiet auszuschließen", daß einige dieser Gene beim Menschen Krankheiten verursachen, die man sich noch gar nicht vorstellen kann!? Die Gefahr ist tatächlich real wesentlich höher einzuschätzen, daß in den nächsten Jahren so eine Seuche auf uns zu kommt, - angesichts der systematischen Verharmlosung und den scheinbar unbegrenzten Mitteln, die in die Gentechnik investiert werden.

Mir kommt diese Vogelgrippe-Kampagne so vor, wie die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln: "Rauchen kann tödlich sein!" - Wie bitte? Ich frage mich: Endet das Leben nicht 'immer tödlich'? ... Sollte ich deshalb vielleicht das Rauchen anfangen, da ja 'Rauchen' offensichtlich eine gewisse Wahrscheinlichkeit impliziert, 'nicht tödlich' zu sein!?

eine Impfung gegen die normale Grippe ist schon aus dem Grund sinnvoll, da das Vogelvirus noch nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist. .... Ist man gegen die normale Grippe geimpft, wird wenigstens schon mal die Gefahr gesenkt dass diese Mutation im eigenen Körper stattfindet wenn man sich einen Vogelgrippevirus einfangen sollte.


Das klingt zwar auf den ersten Blick bestechend logisch, - stimmt aber nur jeweils in individueller Betrachtung, z.B. dann, wenn du die Impfung überlebt hast. Ich möchte wetten, daß jedes Jahr weitaus mehr Menschen an Grippe-Impffolgeschäden sterben, als diese 61 an Vogelgrippe! (Allein in der Bundesprepublik sterben jedes Jahr 25- 30.000 Menschen an Arzneimittelnebenwirkungen )

Wie in dem Eingangs-Artikel von Dr. Dahlke ausgeführt wurde und was mir besonders gefallen hat (und ich ihn deshalb in meinem Bekanntenkreis weiter verbreiten werde) : Es gilt ein gewisses Maß an Gelassenheit gegenüber den allgemeinen Wagnissen des Lebens zuzulassen.

Jatrix
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Mi 11. Jan 2006, 20:46 - Beitrag #10

Zitat von Scuba:Das klingt zwar auf den ersten Blick bestechend logisch, - stimmt aber nur jeweils in individueller Betrachtung, z.B. dann, wenn du die Impfung überlebt hast. Ich möchte wetten, daß jedes Jahr weitaus mehr Menschen an Grippe-Impffolgeschäden sterben, als diese 61 an Vogelgrippe! (Allein in der Bundesprepublik sterben jedes Jahr 25- 30.000 Menschen an Arzneimittelnebenwirkungen )


Dafür wette ich, dass mehr Menschen an der "normalen" Grippe sterben, für die diese Impfung in erster Linie gedacht ist, als an der Impfung selbst. Das sie eventuell die Mensch-zu-Mensch-Übertragungsmutation (mmh, etwas langes Wort :) ) einer Vogelgrippe verhindert ist in diesem Fall eine Art positiver Nebeneffekt. Aber die Grippeimpfung wäre daher eher in betroffen Ländern wichtig, Deutschland ist da sowieso noch aussen vor.

Ausserdem hälst du doch einen speziellen Impfstoff (in Massenproduktion) gegen ein muetiertes Vogelgrippevirus für ein wirkungsvolles Mittel gegen eine Pandemie, denn eine Impfung ist ja ein vorbeugender Schutz. Was würde denn passieren wenn ALLE Grippeimpfungen aussetzen würden wegen Impf-Folgeschäden? Da hätten wir sie dann wieder.
Ist aber letzendlich ne Sache die jeder selber wissen muss, und das hier ist ja kein Impf-tread. :D

Und was die Panikmache betrifft, naja, das ist halt immer mal wieder so, eigentlich wären wir ja schon alle tot. Es ist ja nicht so das die Gefahr einer gefährlichen Pandemie nicht immer existiert, aber manchmal ist es eben interessanter und wird erwähnt und manchmal nicht.

janw
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Mi 11. Jan 2006, 21:11 - Beitrag #11

Hm, nun ja...

Wenn man betrachtet, w i e so eine Grippe-Pandemie ablaufen k a n n, wenn man in Betracht zieht, daß das Virus offenbar die Artgrenze bereits übersprungen hat, wenn man dann die Situation in Asien betrachtet, wo Hunderte Millionen Menschen aufs engste mit Geflügel zusammen leben, kann man schon auf schlimme mögliche Szenarien kommen. Wenn man dann sieht, daß die Wissenschaftler, die sich mit derlei befassen, teilweise vorsichtige Charaktere sind, kann man verstehen, daß sie die Politik zu Maßnahmen bewegen.

Ob nun jede Maßnahme nötig ist, kann man sicher fragen. Man kann sich aber auch das Geschrei vorstellen, das ausbrechen würde, wenn man nicht handeln würde, und eine Pandemie bräche aus.

Mir geht aber noch etwas anderes durch den Kopf, nämlich wie sich die Massenkeulung auf die Geflügelhaltung auswirkt.
Erleben wir derzeit einen Massengenozid zighunderter regionaler Hühnerrassen, die danach durch standardisierte Einheitshybrid-Hühner ersetzt werden?

Das wäre ein Ziel, für das einige Zuchtkonzerne sicher gerne eine Medienkampagne betreiben würden...

Feuerkopf
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Mi 11. Jan 2006, 22:18 - Beitrag #12

Streng genommen erleben wir derzeit eine Pandemie: Millionen von Menschen sind mit dem HIV-Virus infiziert. (Ipsi, ich weiß, du hast eine bestimmte Meinung dazu.;) )

Was Impfen angeht, so bin ich sehr konservativ. Ich habe meine Kinder impfen lassen und sorge auch dafür, dass alle Impfen regelmäßig aufgefrischt werden. Ich muss kein/e Diphtherie oder Polio haben.
Seit ich mich regelmäßig gegen Grippe impfen lasse, ist mein unerfreulicher Hang zu permanenten schweren grippalen Infekten im Winter so gut wie verflogen. Hier und da mal ein Schnupfen, mal ein leichter Husten, aber sonst - toitoitoi - nichts .

janw
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Mi 11. Jan 2006, 22:53 - Beitrag #13

Naja, politisch korrekt^^ könnte man sagen, Millionen von Menschen sind mit Symptomen geplagt, die von einem oder mehreren mehr oder weniger unbekannten Erregern verursacht werden.
Eine Pandemie, fürwahr...

Letztlich wäre es natürlich einfach, gegen die Vogelgrippe einen Impfstoff zu entwickeln und alles Geflügel damit zu impfen. Dann könnte das Virus deutlich weniger mutieren.
Allerdings wäre das Geflügel dann nicht international handelbar.
Was allerdings insofern relativ egal wäre, als, sagen wir, 80% des Geflügels eh zum Eigenbedarf oder zum Inlandshandel gehalten wird in Asien. (Schätze ich mal so...)

Scuba
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Mi 11. Jan 2006, 23:15 - Beitrag #14

Ob nun jede Maßnahme nötig ist, kann man sicher fragen. Man kann sich aber auch das Geschrei vorstellen, das ausbrechen würde, wenn man nicht handeln würde, und eine Pandemie bräche aus


Sehr wissenschaftlich ist das aber nicht, wenn Wissenschaftler auf dieser mangelnden Grundlage Poltitikern dies raten würden. Mir ist aus genannten Gründen keine sinnvolle wissenschaftlich begründete Handlungsmöglichkeit bekannt.

Ich denke hier spielt Psychologie (und damit Psychsosomatik) eine wesentliche Rolle. Auf persönlicher Ebene ist es die 'Impferfahrung' von Feuerkopf, die mir z.B völlig abgeht. Ich habe mich noch nie impfen lassen und ich bin einer der gesündesten unter meinen Arbeitskollegen. Einen Schnupfen der sich anzubahnen scheint (kalte Nase/Füße), versorge ich meistens erfolgreich mit Zink, bevor er ausbricht.

Auf gesellschaftlicher Ebene ist es halt eine Frage des Aufwandes/Nutzen wie viele Menschen sich zu ihrem Vorteil impfen lassen und wieviel (unnötigerweise) daran sterben. Leider werden die Zahlen der Impfschäden nicht offen gelegt (angeblich gibt es ja gar keine, sondern nur Einzelfälle in anderem Zusammenhang) Spätfolgen werden so weit ich weis gar nicht untersucht. Angst, so wie sie jetzt z.B. geschürt wird ist IMMER ein das Immunsystem schwächender Faktor, der das ganze Volk trifft.

Ganz ketzerisch: Wo wäre die Menschheit ohne die Viren, die von Tieren übertragen wurden? Höchstwahrscheinlich noch auf den Bäumen! Nur durch ständigen Umgang mit diesen Krankheitserregern konnte unser Immunsystem lernen und z.B. 'Tierhaltung' als wesentlichen und effektiven Überlebens- und Kulturfaktor einführen.

Das mag zwar leicht vom Tisch zu wischen sein, mit dem Argument, daß wir in unserer Gesellschaft 'heutzutage' auf diesen 'Immunaustausch' verzichten können. Aber man sollte sich nicht täuschen: Bei den Antibiotika hat man auch vor 100 Jahren gedacht, alle bakteriell verursachten Infektionskrankheiten sind ein für alle mal besiegt, - man braucht nur den richtigen 'Wirkstoff'... Und Heute? Plötzlich 'ist man gezwungen' angesichts der Antibiotikaresistenz in anderen räumlichen und zeitlichen Dimensionen zu denken um dieses Problem in den Griff zu kriegen (und man weis definitv: Es gibt keine 100% Sicherheit mehr)

Um Lösungen zu finden ist auf allen Ebenen eine andere Mentalität erforderlich. Dies wäre im Umgang mit der "Vogelpest" (das war der Name dieser Krankheit vor ihrer 'Vermarktung') dringender denn je.

Maglor
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Do 12. Jan 2006, 14:19 - Beitrag #15

Zitat von janw:Mir geht aber noch etwas anderes durch den Kopf, nämlich wie sich die Massenkeulung auf die Geflügelhaltung auswirkt.
Erleben wir derzeit einen Massengenozid zighunderter regionaler Hühnerrassen, die danach durch standardisierte Einheitshybrid-Hühner ersetzt werden?

Tatsächlich ist dies ein Problem, dass zumindest in Rassegeflügelzüchterkreisen heftig diskutiert wird. Tatsächlich war das Keulen von Tieren schon immer der billigste Weg der Seuchenbekämpfung. Das Problem ist, die Keulung schadet vor allem den Hobbygeflügelhaltern und Liebhabern. Zum einen werden teilweise jahrzehnte andauernde Zuchtprogramme für immer ausgelöscht, zum anderen sind die Züchter nicht selten über 70 und es liegt auf der Hand, dass sie ihren Bestand entweder für immer aufgeben oder die gekannte Qualität nie mehr erreichen werden.
Tatsächlich weckt die Bedrohung der Keule kriminelle Energien, etwa den Wunsch wenigstens die Zuchttiere vor den Behörden zu verstecken.
Erschreckend ist auch, dass mit Nachschub nicht zu rechnen ist. Der kommerzielle Mastbetrieb bestellt sich einfach neue Eintagsküken, die dann eben in Holland eingeschifft werden. (Tja, so breiten sich Seuchen aus.) Und der Rassezüchter muss lange nach Exemplaren suchen, bei regionalen und seltenen Rassen kann dies eijn schwieriges und teures Unterfangen sein.

Bedauerlich ist auch, dass bereits ein Impfstoff für die klassische Geflügelpest existiert, dieser aber ungenutzt bleibt. (Klassische Geflügelpest ist die gewöhnliche Geflügelpest, nicht die für den Menschen gefährlichere Vogelgrippe.) Der Grund ist, dass die Seuche durch Antikörper festgestellt wird. Sprich hat ein Geflügel Antikörper gegen die Geflügelpest, wird der ganze Bestand gekeult. Eine Unterscheidung von geimpften und infizierten Tieren ist also nicht möglich!
Immer wieder wird darüber gestritten, ob man nicht wenigstens wertvolle (zum Teil vom Aussterben bedrohte) Zootiere impfen könne. Hier wird ja auch Buch geführt. Genauso wäre es denkbar jegliches Rassegeflügel zu impfen. Bisher sind jedoch solche Bestrebungen nicht erfolgreich gewesen. Dass heißt, wenn die Vogelgrippe in Deutschland auftaucht, wird der Vetrenär bei Hagenbecks dreimal klopfen und den ein oder anderen Fasan von der Roten Liste streichen!

Was ich fürchte, ist, dass die Vogelgrippe irgendwann hier ist. (Ich rede jetzt nicht von der Pandemie, die kommt so sicher wie der große Meteor und der nächste ordentliche Terroranschlag.) Hat man nicht bereits alle Maßnahmen ausgeschöpft?
Eine auf den Menschen übertragbare Tierseuche war in der Ukraine und in der Türkei. Die EU antwortet mit einer Stallpflicht in der ganzen EU! Was soll man tun, wenn die Vogelgrippe hier ist? Ist eine Steigerung möglich? Die Massenkeulung jeglicher Vögel? Die Unterbindung der Vogelzüge durch blaue Bohnen? Stallpflicht für Menschen?

MfG Maglor

janw
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Do 12. Jan 2006, 14:28 - Beitrag #16

Soweit ich weiß, werden Zootiere deshalb auch geimpft, sie werden aber auch nichjt frei gehandelt, insofern gibt es da keine Probleme.

Es wäre wirklich _so_ einfach, das Antikörper-Problem zu lösen: Man müßte den Impfstoff nur mit einem Marker versehen, der auf die Antikörper übergeht.
Technisch überhaupt kein Problem. Nur eines der Mauern in den Köpfen.

Maglor
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Do 12. Jan 2006, 14:31 - Beitrag #17

Naja, Zootiere werden schon gehandelt. Insbesondere beim Geflügel sind viele exotische Arten sowohl bei Zoos als auch bei Hobbyzüchtern und -haltern sehr beliebt. Da sich nicht wenige Arten wie Unkraut oder besser gesagt wie Stockenten vermehren, bleibt denn Zoos nichts anderes übrig als den Überschuß unters Volk zu bringen oder an die Löwen.

MfG Maglor

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Do 12. Jan 2006, 14:49 - Beitrag #18

Bei den Erhaltungszuchtprogrammen der Zoos wird jedenfalls geimpft, und wenn die Viehcher nicht frei zu handeln sind, irgendeine Boa freut sich immer auf Lebendfutter...

Überhaupt eine Seite, die in Zoofilmen immer tunlichst ausgeblendet wird :rolleyes:

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Do 12. Jan 2006, 15:03 - Beitrag #19

Also die Vogelgrippe ist schon ein hartes Stück, aber sind schon Fälle in Deutschland vorgekommen???

Maglor
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Do 12. Jan 2006, 15:13 - Beitrag #20

Die gemeine Menschengrippe erreicht Deutschland jedes Jahr.
Die gemeine Geflügelpest erreicht Deutschland vielleicht alle fünf Jahre.
Die gemeine Vogelgrippe war noch nicht hier.
Die böse, bitterböse Kreuzung aus Vogelgrippe und Menschengrippe existiert noch nicht.
Das ist eigentlich auch schon alles, was man zum Thema wissen sollte.

MfG Maglor

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